Jägerinnen und Jäger stellen sich häufig vor, dass nach einem halben Jahr das Rehkitz selbstständig ist. Allerdings zeigen wildbiologische Studien, dass diese Annahme nicht immer zutrifft. Rehkitze werden in den ersten Lebenswochen abgelegt: Sie liegen allein im Gras und die Ricke kommt nur in Intervallen zum Säugen. Bereits nach wenigen Wochen folgen die Kitze der Mutter und beginnen zu äsen, doch Milch bleibt lange Zeit ein wichtiger Nahrungsbestandteil. Selbst wenn die Jungtiere schon Kräuter, Eicheln oder Heu aufnehmen, liefert die Milch hochverdauliches Eiweiß, schnelle Energie und wertvolle Antikörper (Bäumler, 2011). Das erklärt, warum Ricken ihre Kitze auch noch im Januar oder Februar säugen können. Für das Kitz ist das wie ein Sicherheitsnetz – gerade in harten Wintern. Ein vorschnelles Trennen von Mutter und Jungtier durch die Jagd kann hier gravierende Folgen für den Nachwuchs haben.