Die Myxomatose, verursacht durch das Myxomavirus, ist eine ernsthafte Bedrohung für die Feldhasenpopulation in Schleswig-Holstein. Ursprünglich primär bei Wild- und Hauskaninchen festgestellt, hat sich das Virus auch auf Feldhasen (Lepus europaeus) ausgeweitet. Besonders alarmierend ist die neu auftretende rekombinante Virusvariante, die als Toledo-Variante bekannt ist und in den letzten Jahren in Europa aufgetreten ist.

Die erste dokumentierte Infektion dieser Variante bei Feldhasen in Schleswig-Holstein fand 2025 statt. Vorangegangen war die entdeckung 2023 in Nordrhein-Westfalen, und mittlerweile breitet sich der Erreger vermehrt aus. Diese Virusform unterscheidet sich durch spezielle PCR-Untersuchungen von anderen Myxomatose-Stämmen, was eine gezielte Überwachung und Reaktion erforderlich macht.

Die Übertragung des Virus erfolgt hauptsächlich durch Stechinsekten wie Mücken und Flöhe, kann jedoch auch durch direkten Kontakt zwischen Tieren oder kontaminierte Oberflächen geschehen. Wichtig ist, dass das Virus in getrocknetem Pockenmaterial unter geeigneten Bedingungen über Monate infektiös bleibt. Aus diesem Grund fordern die Gesundheitsbehörden eine erhöhte Hygiene in den Revieren, um die Verbreitung der Myxomatose zu verhindern.

Jäger sind aufgefordert, erkrankte oder abgemagerte Tiere nicht zu jagen, da diese häufig auch unter anderen Infektionen leiden könnten. Deshalb sollte Wildbret nur von symptomfreien Tieren entnommen werden. Bei Kontakt mit Fallwild wird dringend geraten, Handschuhe zu tragen und Hygienemaßnahmen wie das gründliche Waschen der Hände zu befolgen. Ein umsichtiger Umgang mit Kadavern ist unerlässlich: Diese sollten umgehend an das zuständige Kreisveterinäramt gemeldet und unschädlich beseitigt werden.

Nach einem bestätigten Fall von Myxomatose im Revier wird empfohlen, zunächst die Population genau zu beobachten, bevor Maßnahmen wie Treibjagden durchgeführt werden. Um die Bestände zu schonen, sollen grundsätzlich nur die Zuwächse einer Population bejagt werden, die durch vorangegangene Zählungen ermittelt wurden. Zudem sollte in betroffenen Gebieten von Treibjagden abgesehen werden, da diese Stress für die Tiere verursachen und das Risiko einer Virusverschleppung erhöhen können. Der Deutsche Jagdverband empfiehlt, mindestens vier Wochen nach dem letzten bestätigten Myxomatose-Fall mit der Jagd zu pausieren.

Die Jägerschaft ist zudem angehalten, Totfunde umgehend zu melden, damit eine kostenfreie Untersuchung im Landeslabor vorgenommen werden kann. Dies kann mithilfe der Tierfund-Kataster-App geschehen, die sowohl auf Google Play als auch im Apple App Store verfügbar ist. Um die Wildbestände weiter zu schützen, sollten regelmäßige Feldhasenzählungen durchgeführt und ein strenges Hygienekonzept eingehalten werden.

Ein weiterer Punkt ist die intensive Prädatorenbejagung und die Anlage von Wildäckern, auch als „Hasenapotheke“ bekannt, die zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Feldhasen beitragen können.

Die Kommunikation zwischen benachbarten Revieren ist hinsichtlich eines potenziellen Krankheitsausbruchs von Bedeutung. Diese sollte offen und sachlich erfolgen, um Missverständnisse zu vermeiden. Jegliche Auffälligkeiten bei den Tieren sollten dokumentiert und an die Jagdleitung gemeldet werden, um frühzeitig reagieren zu können. Die Forderung nach präventiven Maßnahmen und vermehrter Sensibilisierung unter den Jägern wird auch für die langfristige Stabilität der Feldhasenpopulation entscheidend sein.