In Österreich zerschneiden Straßen, Siedlungen und versiegelte Flächen zunehmend die Landschaft, was für Wildtiere gefährliche Barrieren darstellt. Lebensraumvernetzung ist daher entscheidend, um gewohnte Wege wiederherzustellen und die Artenvielfalt zu fördern. Die verschiedenen Maßnahmen zur Vernetzung umfassen unter anderem Grünbrücken, Wilddurchlässe und die Pflege von Hecken sowie anderen Strukturelementen in der Landschaft.

Ein zentrales Problem ist die Fragmentierung von Lebensräumen, die durch den Ausbau des Straßennetzes und die Zunahme urbanisierter Flächen verstärkt wird. Laut Florian Danzinger vom Umweltbundesamt hat sich die Gesamtnetzlänge des österreichischen Straßennetzes von 2008 bis 2022 um 17 Prozent auf etwa 128.305 Kilometer erhöht. Diese Verstädterung erschwert Wildtieren die Fortbewegung und sorgt für isolierte Populationen, die anfälliger für Umwelteinflüsse werden. Dadurch wird nicht nur die Biodiversität beeinträchtigt; auch Wildunfälle nehmen zu, was für Menschen und Tiere gleichermaßen gefährlich ist.

Die Lebensraumvernetzung verfolgt das Ziel, grüne Korridore zwischen Lebensräumen zu schaffen oder wiederherzustellen. „Das bedeutet, Grünräume, die miteinander verbunden sind, nicht nur zu erhalten, sondern auch aktiv wiederherzustellen“, erklärt Danzinger. Vernetzte Lebensräume bieten nicht nur Tieren Sicherheit, sondern auch Menschen Erholungsräume und nachhaltige Ökosystemleistungen.

Maßnahmen zur Lebensraumvernetzung, wie Grünbrücken oder Wildunterführungen, haben das Potenzial, Wildtieren das Überqueren gefährlicher Straßen zu erleichtern. Diese speziellen Einrichtungen sind so konzipiert, dass sie Wildtiere wie Reh, Fuchs und Dachs anziehen und ihnen ermöglichen, sicher zwischen ihren Lebensräumen zu wandern. Jedoch ist es entscheidend, dass diese Konstruktionen sinnvoll in die Landschaft eingebunden sind, damit sie auch tatsächlich angenommen werden. Allein die Errichtung einer Wildtierquerung reicht nicht aus; die Umgebung muss ebenfalls unterstützt werden.

Des Weiteren spielen Hecken, Windschutzstreifen und kleine Waldstücke eine wichtige Rolle. Diese Strukturelemente bieten nicht nur Schutz und Nahrung, sondern erleichtern auch die Bewegung der Tiere in der Kulturlandschaft. Österreichs landwirtschaftliche Flächen sind mit über 21.000 Kilometern Lebensraumkorridoren durchzogen, die dazu beitragen, dass eine Vielzahl von Arten einen sicheren Lebensraum finden kann.

Die Jägerschaft nimmt in diesem Prozess eine Schlüsselrolle ein. Jägerinnen und Jäger sind oft die ersten, die lokale Wildbewegungen beobachten und dokumentieren. Sie wissen, wo kritische Punkte für Wildunfälle liegen und welche Strukturen für Wildtiere von Bedeutung sind. Daher ist ihre Mitarbeit bei der Planung von Lebensraumvernetzungen von großer Bedeutung.

Die Lebensraumvernetzung ist ein Gemeinschaftsprojekt, das viele Akteure wie Infrastrukturbetreiber, Gemeinden und Naturschutzorganisationen zusammenbringt. Der Erhalt und die Schaffung von Korridoren ist dauerhaft notwendig, um die Biodiversität in Österreich zu sichern. Mit dem wachsenden Druck durch Flächenverbrauch und Klimawandel ist es umso wichtiger, bestehende Verbindungen zu bewahren und gegebenenfalls neue Korridore zu schaffen. Nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten kann die Vernetzung der Lebensräume nachhaltig gesichert werden.